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Apr 12

Käsebrotgangster

Posted on Freitag, April 12, 2013 in Newsletter

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Also, ich bin ja schon ziemlich krass.

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Hey, wie viele Leute sind schon so vom Leben auf der Straße gezeichnet wie ich? Ich will ja hier nicht angeben, aber was ich so mache – hättest du das gemacht, wärst du inzwischen tot. Ich hab so einen Respekt auf der Straße, weil alle mich respektieren. Also so richtig. Ich geh neulich in Supermarkt, da sagen die so: “Achtung, der.” Die wissen schon, ich bin krass drauf. Und wenn ich mal bei Megges bin, da sagen die auch immer alle gleich, “Yo, Thorben, was geht.”. Also alles zusammen: Auf ner Skala von eins bis zehn, bin ich krass.

– “Das ist sehr schön, Herr Wolschski, aber mit ‘erzählen Sie mal’ meinte ich mehr, warum Sie hier sind.”

Ich bewege. Ich bin die Stimme von allen. Also ich bin jetzt nicht so, ‘warum sind wir alle hier’. So ‘was ist der Sinn’ oder so. Ich sehe mich mehr als Sprecher, so als Prophet. Was alle sonst so denken, das sag ich. Hör mal: ‘Das Geld lass mal in unsrer Hand / und gib nicht alles Griechenland’. Das ist eben so, wie man nicht sagen darf, aber ich mach das halt. Pass auf: ‘Nix für Griechen und Zypresse / echt mal, Merkel – halt die

– “Zyprer. Die Bewohner heißen einfach Zyprer oder Zyprioten. Aber Sie haben mich schon wieder missverstanden – Ihre Verletzung. Warum sind Sie heute hier, nicht generell?”

Ey, klar Mann! Ich bin nur so Smalltalk, weißt du. Warum ich heute hier bin? Ich habe Rücken. Hehe, wie der, der – wie der Schlämmer. ‘Rücken’. Weil ich mach ja auch so kulturelle Anspielungen und so, weil bei mir steckt da echt was dahinter. Worüber Deutschland im Fernseher lacht / bei mir wird dann drüber nachgedacht. Kleiner Freestyle.

– “Bitte.”

Rücken. Weil die Leute sind ja nicht mehr so Platte, die sind nur noch Internet. Also mach ich ja jetzt auch so mit meinen Kumpels Videos fürs Youtube, und wir machen immer so auf bedrohlich, dass der Süran mit dem Handy immer so am Boden filmt und wir dann so runtergucken und Gesten und so voll bedrohlich immer von oben so in die Kamera. Und laufen immer dann, aber halt so gebückt, dass wir dann in die Kamera gucken. Und wir haben jetzt drei Tage lang gedreht und jetzt hab ich so im Rücken.

– “Das ist ein ganz kleines Bisschen traurig, aber wir wollen mal sehen, was wir tun können.”

Ist aber voll wichtig. Samstag ist wieder ganz große Nummer, wir batteln am Bahnhof. Waren letztes Mal Siebzehn Leute da!

– “Aber Herr Wolschski. Heutzutage sollte doch niemand mehr betteln müssen.”

Ey? Klar Mann! Das bringt einem doch voll die Street Credebility!

– “Versuchen Sie doch mal ein Wortspiel mit ‘credebil’ und ‘grenzdebil’.”

Ey, sach ma – was sind denn Sie eigentlich für ein Arzt?

– “‘Sach ma’ ist in der zweiten Person Singular konjugiert, ‘sag du mal’. Direkt im Anschluss dann aber wieder ‘Sie’, also das stimmt ja wohl vorne und hinten nicht.”

Sie sind gar kein richtiger Doktor!

– “Ich möchte einmal kurz die Situation zusammenfassen. Ich habe vielleicht eine Brille, aber der Rest meiner Sichtbaren Bekleidung ist eine Army-Hose sowie ein Gamer-Shirt. Nur als kleiner Denkanstoß. Und als ich die Praxis betrat und ‘Der nächste bitte’ rief, kam ich durch die Vordertür. Wink mit dem Zaunpfahl? Also ebendieser Zaunpfahl hätte Sie ja wohl spätestens dann mit voller Wucht getroffen haben müssen, als ich Sie anschließend in die Teeküche geführt habe.”

Was hast du mit Zaunpfahl, eh? Ey, ischlag disch! Jetzt sag ma, bistu jetzt Doktor oder was?

– “Ernsthaft? … Ja, natürlich. Entschuldigen Sie bitte, falls ich Sie verwirrt habe. Natürlich bin ich Ihr richtiger Arzt, ich kam nur gerade vom Mittagessen – daher die Vordertür. Die Freizeitklamotten trage ich nur, um meinen weißen Arztkittel nicht so bekleckern – eigentlich hätte ich mich noch schnell umgezogen, aber ich möchte immer so schnell wie möglich für meine Patienten da sein und habe Sie deshalb sofort aufgerufen. Na ja, und die Teeküche – nach dem Essen brauche ich einfach noch eine Kaffee. Also fangen Sie doch am besten einfach noch mal von vorne an.”

Also ich hab so wegen meinem Video…

– “Oh, hat die Schwester eben meinen Namen gerufen? Dann muss es dringend sein. Ich bin sofort wieder da, warten Sie bitte kurz. Nicht weggehen! Und wenn Sie jemand fragt, was Sie hier machen – sagen sie einfach, ist schon ok. Der Doktor hätte Ihnen gesagt, Sie sollen hier warten.”

Alles klar, Mann.

– “Bis später.

Viel Spaß noch im Leben.”