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Sterne

Posted on Donnerstag, Oktober 11, 2012 in Newsletter
Disclaimer: In diesem Text finden sich keine Hinweise oder Anspielungen auf rosa Einhörner, vergleichbare Fabelwesen oder Patente von Apple Inc. Sollten Sie dennoch Hinweise oder Anspielungen auf rosa Einhörner, vergleichbare Fabelwesen oder Patente von Apple Inc finden, so sind diese weder beabsichtigt noch bewusst entstanden und haben keinen Bezug zum Autor oder seinen heimlichen Fantasien.
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Als ich meine Augen öffnete, lag ich am Boden in einer Pfütze meines eigenen Blutes. Noch etwas schwindelig, durcheinander, unternahm ich den Versuch, auf meine Beine zu kommen. Doch kaum, dass meine Füße den Boden in ihrer gewohnten Position berührten, sackte ich schon wieder zusammen und fiel auf die Knie. Ich zitterte ein Wenig und ließ mich wieder zu Boden sacken, zurück in die rote Lache. Ich stöhnte auf.

Was war passiert? Stück für Stück setzten sich die letzten Stunden wieder zusammen: Sturz, Sterne, Straße, die Explosion. Konfetti, nein, eher Funken. Beides? Die Reihenfolge stimmt nicht: Explosion, Funken, Straße, Sterne? Am Anfang war das Fest, natürlich! Das Fest, nachdem ich auf die Wiese zum Feuerwerkt ging. Laternenfest? Möglich, nicht sicher. Das Feuerwerk, Funken, Explosionen. Und dann die Straße! Natürlich:
Auf dem Weg nach Hause wurde ich angerempelt. Alle gehen in eine Richtung, nur dieser eine Kerl kommt allen entgegen und wundert sich dann noch, dass ihn jeder über den Haufen läuft. Er sah mich böse an, ging aber wortlos weiter. Moment – Reflexgriff zur Hosentasche: Portemonnaie noch da, Schlüssel, Handy. Alles klar, weitergehen. Ab nach Hause. Ziemlich kaputt, ab ins Bett. Handy ins Dock, Licht aus. Das Zimmer schummrig beleuchtet durch das Lade-Lämpchen vom Handy, nur Umrisse zu erkennen. Kühler Wind, Fenster lieber zu. Augen schließen.

Augen öffnen. Uhrzeit? Gegen drei Uhr – Glück gehabt, weiter schlafen. Handylicht grün, schön. Vollmond. Hell scheint er zum Fenster hinein, sanfte Mondlichtschatten fallen auf meinen Boden. Erstaunlich, wie hell der Mond selbst durch…das offene Fenster scheint! Ich dachte, ich hätte es geschlossen. Aber auch egal, ich würde jetzt definitiv nicht aufstehen, dafür war das Bett in diesem Zustand um diese Zeit einfach zu gemütlich. Die Augen schwanken ständig zwischen offen und geschlossen, betrachten den Mond, die Sterne. Viele Sterne am Himmel, zwei Sterne im Zimmer. Kurzer, nachdenklicher Moment. Blick zu den beiden Sternen im Zimmer, nebeneinander, auf Augenhöhe. Augen. AUGEN! Puls schnellt nach oben, Licht an. War nur ein Schatten. Sich ans Licht gewöhnen, es ist nur ein Schatten. Ein Schatten in Gestalt einer Person, vor mit im Zimmer, die Augen leuchten, der Rest ist schwarz. Meine Knie zittern, mein Herz rast, ich stürme den schnellsten Weg weg: Auf die Terrasse, durch das scheinbar doch geöffnete Fenster hinaus. Manchmal verfolgt einen ein Traum und man muss erst realisieren, dass es ein Trugbild war. Ich gehe langsam zurück ins Zimmer. Nennt mich ein Weichei, aber wer auch schon in einer so surrealen Situation aufgewacht ist, kennt das Gefühl: Ich hatte panische Angst. Ich trat einen Schritt zurück ins Zimmer. Der Schatten stand vor mir, bewegungslos. Starrte immer noch auf mein Bett, auf die Stelle, an der mein Kopf lag, als ich erwachte. Zu Beginn hatte es mir direkt in die Augen gesehen, diese Position hatte es obgleich meiner Bewegung nicht verändert. Meine Hand zitterte und ich zuckte schrecklich zusammen, als das Telefon klingelte. Es lag auf dem kleinen Tisch neben der Terrassentür, neben mir. Ich griff es schnell, in der intuitiven Meinung, das Geräusch würde den Schatten wieder auf mich aufmerksam machen. Doch der Schatten verharrte weiterhin. Als ich das Telefon an mein Ohr hielt, konnte ich zunächst keine Worte erkennen. Ich hörte ein schweres Atmen, das sich mir erst nach kurzen Augenblicken als Schluchzen zu erkennen gab. “Carsten?”, fragte die Stimme am Telefon, ohne dass ich etwas gesagt hätte. “Heute Nacht… völlig überraschend ist heute Nacht…”. Die Stimme schluchzte weiter, ich zitterte am ganzen Körper. Trotz meiner sonst so eloquenten Art konnte ich nicht mehr als ein trockenes “Wer?” herausbekommen. Die Frage war eigentlich sinnlos, denn nun erkannte ich die Form des Schattens. Als ob man auf die Entfernung plötzlich in einer Silhouette einen Bekannten erkennt, wurde mir schlagartig bewusst, wer vor mir stand. In dieser Sekunde des Erkennens bewegten sich die Augen, der Kopf des Schattens langsam in meine Richtung. Meine Atmung war nun durch mein Zittern so deutlich hörbar, dass ich die Stimme am Telefon nicht mehr verstehen konnte. Der Schatten sah mich an, doch bevor sich unsere Blicke trafen, gaben meine Beine nach und ich stürzte zu Boden.

Ich schlug auf dem Boden auf und es war hell. Als ich meine Augen öffnete, lag ich am Boden in einer Pfütze meines eigenen Blutes. Ich war ziemlich durcheinander, mein Herz pochte ziemlich schnell. Das Fenster war fest geschlossen, das Telefon stand am anderen Ende des Raumes in der Ladestation. Ich wollte atmen, verschluckte mich aber. Blut strömte aus meiner Nase. “Nicht schon wieder”, dachte ich genervt. “Nicht schon wieder wegen Nasenbluten aufwachen”, wobei ich mir nicht sicher war, ob mich das Nasenbluten oder der Sturz aus dem Bett geweckt hatte.

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