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Aug 1

Die abenteuerliche Reise zum Mittelpunkt des Kaffs

Posted on Mittwoch, August 1, 2012 in Newsletter

In einem wohl bekannten Land
Zu ziemlich aktueller Zeit
War ein Thema wohl bekannt
Von dem sprach alles weit und breit.

Und dieses Thema, das ich meine, nennt sich Drama
Großes lautes dickes fettes Drama
Draaaaaaaama bestimmt unsre Welt
Draaaaama weil es uns gefällt!

Wir singen heute von de…..

…ich wollte auch mal ein Intro. Lasst mich halt. -.-

~

4 Uhr 42. Kaum, dass die Sonne den Taunus überblikt, beginnt ein Vogel, sein Lied zu singen. Meine Augen öffnen sich, jeder Teil meines Körpers wiegt dreiundzwanzig Tonnen. Mit offenem  Fenster schlafen und beim kleinsten Geräusch aufwachen ist zu einer Jahreszeit, zu der die Vögel bei Sonnenaufgang anfangen zu plärren, eine unschöne Kombination. Ich sehe deutlich, wie der Vogel fliegt. Der Vogel hingegen sieht nicht, wie der Stein fliegt. Beide, Stein und Vogel, sind nun weder fliegend noch singend. Augen zu.

8 Uhr 23. Zweites Erwachen, diesmal erholt. Entspannter Blick zur Uhr – Ein Tip drauf, Musikapp starten, gechillt sanfte Melodien hören. Den Tag genießen. Blick aus dem Fenster, angenehm kühler Wind, bequemes Bett. Ziemlich bequem eigentlich. Ja, ziemlich …………

Sicht vom Kopfkissen aus. 10 Uhr 7.

10 Uhr und genau sieben Minuten: Drittes Erwachen. Diesmal aber endgültig. Das Bett ist zwar wirklich bequem, aber… man muss halt… na ja, ok: Ein mal noch kurz den Kopf aufs Kissen -~- und jetzt aber los. Aufgestanden, Klamotten an, Kaffee. Nicht wirklich Hunger, kein Frühstück. Kaffee. Blick aus dem Fenster: Sonne, aber noch im Rahmen. Nettes Album von Google Music aufs Handy geladen, Kaffee. Rucksack umgeschnallt, Kopfhörer ins Ohr, ab nach draußen.

10:31 – Ich bin keine 20 Meter gelaufen, als mir ein sehr unangenehmes Wetterphänomen namens ‚Sonne‚ einen Strich durch die Rechnung macht. Glücklicherweise ist meine Heimat nicht gerade Frankfurt, sodass man spontan auf Feld- und insbesondere Waldwege ausweichen kann. Wenn es schon um zehn Uhr so warm ist, will ich nicht wissen, was noch kommt. Also ab in den kühlen Wald!

10:33 – Erfolgserlebnis :D

10:33 - Erfolgserlebnis :D

10:36 – 150 Meter weiter, Erfolgserlebnis zerstört.

10:36 - Erfolgserlebnis zerstört.

 

10:37 – Ich hangle mich weiter durch Tiefgaragen, Häuserschatten und Privatewege, um der Sonne zu entrinnen……..

10:37 - Schatten in der Tiefgarage.

 

10:42 - Schatten hinter den Häusern

 

Doch mein Glück währt nicht lange.

 

Zehn Uhr und sechsundvierzig Minuten. An genau dieser Stelle habe ich etwa 70% des Weges hinter mir, und von nun an gilt: Gleißender Sonnenschein, bis zum Ende. Überall singende Vögel, fröhliche Menschen, duftende Blumen – und Sonnenschein. Ich werde sterben.

 

10:46 - die letzten Sekunden im Schatten

 

10:47 – Ich berühre Sonnenlicht. Es brennt.

10:48 – Es brennt immer noch.

10:49 – Ach, verdammt – ich schätze, es wird bis zum bitteren Ende brennen. Super.

10:57 – Ein kleiner Baum am Bahnhof! Ich verschnaufe in zwei Quadratmetern Schatten. Neben mir sitzt ein wahrer Ureinwohner des Dorfes, der im hessischen Konjunktiv telefoniert: „Also isch täte dem ja sofort sage, das des nich geht wo der machen tut. Ich täte den gleich rauswerfe täte isch den.“ Ich weine der deutschen Sprache kurz eine Träne nach, doch diese erreicht nicht mal meinen Mund: Bereits als sie die Nase passiert, verdampft sie. Ich hole tief Luft und bereite mich auf die letzten 500 Meter vor. Ich werde mein Ziel erreichen! Nichts und niemand wird mich aufhalten! NICHTS…

10:58 – …außer Sonne. Ich klappe zusammen.

—-kurzer Ortswechsel

10:58.01 – Dr. A. Max hält inne. Er spürt, dass etwas passiert ist – irgendwo auf diesem Planeten ist ein Mensch zusammengeklappt. Er schließt die Augen und konzentriert sich. Blaue Blitze zucken um seine Arme, plötzlich schießt ein noch blauerer Strahl in den Himmel. Man hört ein Donnergrollen, doch nicht tief und dumpf sondern eher glockenhaft. Befreiend. Wunderschön. Dr. Max öffnet seine Augen und setzt seine ursprüngliche Arbeit – das Sicherstellen des Weltfriedens, die Bekämpfung des Hungers in der Welt und die Vermeidung des Armageddon Ende 2012 – entspannt fort.

—-kurzer Ortswechsel zurück

11 Uhr. Ich weiß nicht wie, ich weiß nicht, warum – aber alles ist wieder in Ordnung. Ich stehe auf – nein, ich schwebe förmlich! – und gehe entspannt die letzten paar Meter zum Supermarkt. Was auch immer das eben war – ich habe mein Ziel erreicht.

 

11:02 - Sie haben ihr Ziel erreicht.

 

11:02 – Der Laden ist wundervoll. Klimatisierte Luft, kühle Luft und klimatisierte Luft. Und es ist kühl. Ich tanze durch den Laden, drehe mich wie eine Ballerina, lande auf der Tiefkültruhe und beginne, sie zärtlich zu streicheln. Der irritierte Blick des Verkäufers bringt mich dazu, diesen romantischen Augenblick abrupt zu beenden – doch ich gleite lächelnd weiter zum Milchprodukte-Regal und drücke mich zärtlich an fettreduzierten Vollkornjoghurt.

Doch wie alle schönen Dinge im Leben hält nichts ewig.

11:14 – Der Einkauf ist erledigt. Ich winke der Tiefkühltruhe zum Abschied und verspreche ihr, sie später anzurufen. Dann packe ich den gekauften Kram in meinen Rucksack und gehe in Richtung Ausgang. Doch es kommt, wie es kommen muss: War es vorher schon heiß genug, trifft mich die Hitze nun mit voller Gewalt. Dieser Moment, dieser grässliche Augenblick, wenn man aus einem wundervoll kühl gehaltenem Geschäft hinaus in die Hitze gehen muss, wenn man den Temperaturunterschied wie eine zähe Wand spürt, wie alle Farben und schönen Dinge des Lebens im Bruchteil einer Sekunde grau und düster werden… Ich gehe schnell wieder zurück und schreibe mein Testament, schicke es an fünf mir vertraute Personen und wage einen zweiten Versuch.

11:22 – Ich schleiche durch die Straßen. Ein schnelles Vorankommen ist unmöglich. Kurz lächle ich jedoch bei einem Haus in der Nähe des Kindergartens: An dieser Wand ist ein Tag gesprayt worden. Für gewöhnlich sind diese nicht sonderlich ästhetisch aussehenden Schmierereien entweder weise Sprüche, die der Gesellschaft den Spiegel vorhalten sollen (etwa „fuck the sytsem“[sic!], wie es wörtlich in der Nähe von Oberursel steht…) – oder eben einfach nur Decknamen, Signaturen der Sprayer. Wenn ich also ein einzelnes Wort an einer Wand sehe, gehe ich davon aus, dass der Sprayer sich so nennt. Und was soll ich sagen – der Kerl, die diese Wand bekritzelt hat, trägt einen tollen Namen.

 

Nette Signatur. Ob er sich den Namen selbst ausgesucht hat?

 

Doch dieses Bild alleine konnte mich nicht aufmuntern. Das kurze Schmunzeln, das mich bei Erblicken dieses Tags überkam, führte zu einer kurzen, schnellen Bewegung, sodass ich etwa 23 Liter Schweiß abwarf, die lautstark auf den Boden klatschten. Ich ahne übles.

11:42 – Ich bin in den letzten 20 Minuten ungefähr fünfzehn Meter weit gekommen. Das sind mehr, als ich erwartet hätte. Die Gummisohlen meiner Schuhe beginnen zu schmelzen, was ein Vorankommen bedeutend schwieriger macht. Doch als die Sohlen erst vollständig verdampft sind, halten die mich zumindest schon mal nicht mehr auf.

11:51 – Ich sehe einen großen, roten Elefanten auf einem Einrad vorbeifahren. Ich wollte ihn fotografieren, leider ist mein Handy inzwischen dermaßen heiß, dass ich es nicht mehr anfassen kann.

11:58 – Der große, rote Elefant nimmt mich in den Arm und singt mir ein Wiegenlied. Es ist voll schön.

11:64 – Der große, rote Elefant hat sich durch die Hitze in ein großes, rotes Steak verwandelt. Alle meine Freunde kommen und essen davon. SOGAR DIE VEGANERIN!!! (zeigt auf sie und schreit: „Hexe! Hexe!“) An dieser Stelle wird mir klar, dass hier etwas nicht stimmen kann. Existiert der große, rote Elefant etwa nur in meiner Fantasie?! Ist das alles gar nicht echt? Bin ich nun endlich in der Hölle angelangt? Warum ist es hier so heiß? War der große, rote Elefant etwa Satan persönlich? Was heißt das, dass er jetzt zu einem Steak…..

 

~~~

Dreizehn Uhr und siebzehn Minuten. Viertes Erwachen. Vielleicht hätte ich doch nicht „ein mal noch kurz den Kopf aufs Kissen“ legen sollen. Inzwischen knallt die Sonne in mein Zimmer, ein heißer Strahl legt sich über mich. Ich koche. Ich verstehe, warum ich diesen Traum hatte. Und was hat mich geweckt? Natürlich: Die Kinder von Gegenüber spielen schon wieder Fußball im Garten und kreischen wild umher. Ich überlege kurz, die Vogel-Stein-Aktion zu wiederholen, doch sind Kinder nun mal nach wie vor die einzigen Lebewesen auf diesem Planeten, die ich respektiere – also kein Steinwurf. Trotzdem, irgendetwas muss ich tun! Ich warte einfach, bis sie das nächste Mal ihrer Lieblingsmannschaft über einen Podcast lauschen, und an der spannendsten Stelle schiebe ich dann alle meine Boxen ans Fenster und spiele Dubstep auf 170. Ist doch auch was.

 

13:54 – Ich schnappe mir den Laptop und mache mich auf den Weg in den angenehm  kühlen Keller. Ein Aufenthalt in meinem Zimmer – Ostseite, breite Fensterwand – ist um diese Zeit undenkbar. Aus irgendeinem Grund habe ich das Biene Maja Titellied im Kopf, summe es vor mich hin und denke mir alternative Texte aus. „Draaaaaaama, alle lieben Draaaaaamaaaaaa…..“ Ich lächle kurz, klappe den Laptop auf und beginne, diesen Text zu schreiben.

 

╭∩╮(^v^)╭∩╮


Das ist es also, was ich so den ganzen Tag in meinen Ferien mache.

Und was machst du so? :)