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Aug 21

Und dann dieser Gestank!

Posted on Dienstag, August 21, 2012 in Newsletter

Kleine Anmerkung: Viel schöner findet ihr diesen Text als Video – und zwar hier:

Und dann dieser Gestank! –Podcast-Version

 

Schon vor vielen Jahren hatte mein Onkel aus einem Afrikaurlaub eine tolle Sache mitgebracht – die man hier kaum kannte, auch heute noch: Beef Jerky. Trockenfleisch. Für Typen wir mich, die Fleisch an sich mögen – im Gegensatz zu den Behauptungen einiger Vegetarier hat Fleisch nämlich durchaus einen sehr leckeren Eigengeschmack! – ist das etwas tolles: Da wird einfach ein Steak in hauchdünne Scheiben geschnitten und (die Cleveren haben es bereits erraten) getrocknet. Was dann dabei herauskommt ist entweder Jerky oder kleine Würfel – Jerky sind Streifen, die etwa so aussehen wir eine Scheibe Schinken, nur etwas dicker; alternativ gibt es die Teile auch in etwa 2-3 cm großen Stücken. Das Zeug ist deftig gewürzt, hat eine Konsistenz wie Gummi (was aber nicht schlecht ist) und schmeckt intensiv nach FLEISCH. Und wie ein weiser russischer Philosoph bereits sagte: “Fleisch gut.” – dem ist nichts hinzuzufügen.

Nun gibt es mit diesem leckeren Snack nur ein kleines Problem: Es ist schweineteuer. Da kann man für eine Packung mit 75 Gramm (!) schon mal fünf Euro bezahlen. Und einen Fünfer für zehn bis fünfzehn mundgerechte Stücke ist schon ziemlich viel… Doch dann habe ich das Zeug mal auf Amazon gesucht. Und siehe da: Alles genauso teuer. Alles? Nein! Ein kleines Päckchen leistet den hohen Preisen unerbittlichen Widerstand. Ich gehe also auf die Seite, staune nicht schlecht über den viel billigeren Preis und will es mir gerade kaufen – als mein Blick auf die Kategorie fällt: “Haustier”. “Trockenfutter für Hunde”. Na toll.

 

 

Man kann es sich schon denken: Es ließ mich nicht mehr los. Die Grundidee war doch folgende: Das Zeug besteht zu 9x% aus Fleisch. Beim echten Jerky noch eine Prise Gewürz, beim Hundefutter noch ein paar “natürliche Zusatzstoffe”. Also an sich nimmt man doch Fleisch, trocknet es und fertig? Das ist ja kein Hundefutter in dem Sinne, kein Plastikknochen mit Hühnerherzglibber dran, keine Dose mit einem Best-Of ‘Alles was noch da war’ oder sowas. Fleisch ist Fleisch, beides getrocknet. Oder?

 

Ich schrieb also eine Mail an die Hersteller und erklärte meine Situation.

 

Hier nun die Frage, ob ich die Mails veröffentlichen darf oder nicht – das steht noch nicht fest. Ich warte auf eine Antwort, da ich ihm versprochen habe, dass unsere Konversation inoffiziell ist und ich sie nicht veröffentlichen werde. Sollte ich die Erlaubnis für eine Veröffentlichung bekommen, wird dieser Teil hier ergänzt.

Kurze Zusammenfassung: Das Hundefutter ist kein in Streifen geschnittenes Fleisch (wie beim „Menschen-Trockenfleisch„), sondern besteht aus “Grieben”, einem Überbleibsel bei der Fettschmelze. Klingt ekelhaft, ist ekelhaft – Details folgen.


Grieben also. Was ist das eigentlich? Also, vielleicht kennt ihr Griebenschmalz – vielleicht auch nicht… Erklären wir es so: Ihr wisst vermutlich, dass man Fett relativ einfach zum Schmelzen bringen kann. Außerdem macht Fett sehr satt und ist für den Menschen in großen Mengen nicht bekömmlich. Deshalb werden die Teile eines Tieres, die besonders fetthaltig sind, nicht normal beim Metzger verkauft. Stattdessen erhitzt man sie und lässt das Fett sozusagen aus dem Fleisch laufen. Was nun bleibt ist einmal hochwertiges Schlachtfett – und Grieben, die Reste vom Fleisch, die kein Fett waren. Wer von euch Griebenschmalz kennt, hat das Zeug auch schon gegessen: Die kleinen braunen Stücke im Schmalz. Das ist kein Abfall! Im gegenteil, im Schmalz selbst schmeckt das Zeug eigentlich ganz gut. Also dachte ich mir froher Dinge: Nicht gesundheitsgefährdend, zwar kein echtes Jerky aber trotzdem normales Fleisch. One Click, morgen ist es da.

 

~

 

So viel zur Vorgeschichte. Jetzt wird es interessant.

 

Das Paket erreicht mich um etwa 15 Uhr. Ich nehme das massive Teil entgegen und kann es kaum erwarten. Noch schwebt meine Motivation auf den höchsten Höhen. Das Klebeband aufgeschnitten, den Karton geöffnet – obwohl ich noch nichts sehen kann, weil alles mit Schutzknüllzeugs umwickelt ist, erscheint die erste böse Vorahnung in Form eines mächtigen Gestankes, der mir freundlich grüßend aus dem Paket entgegenwabert. Dieser Geruch! Das war wirklich krass! Als Randbemerkung: Ausgenommen meinen kleinen Bruder habe ich keine Haustiere und habe daher keine Erfahrung, wie geruchsintensiv ein Tier in geschlossenen Räumen ist – vielleicht wäre Hundebesitzern diese Wolke aus Ekel gar nicht weiter aufgefallen, aber ich wurde von diesem Gestank förmlich zurückgedrängt.

Dann der zweite Tiefschlag.

 

Ich hatte eine Packung aus Pappe erwartet, in der kleine Fleischstückchen liegen. Ja, naiv, ich weiß. Trotzdem, ich habe wie erwähnt keine Erfahrung mit Hundefutter und stellte deshalb unter Ernüchterung fest, dass sich im Paket nur ein Plastikbeutel befand, an dessen Boden sich komisches Pulver angesammelt hatte – und dann das Fleisch. Das sah aus wie Äste, die in 2-Zentimeter-Stücke geschnitten wurden. Von Weitem hätte man das nicht als Fleisch identifizieren können – und die schlechte Nachricht: Von Nahem auch nicht. Meine Motivation verschwand mit den Worten “Ich bin im Keller und hänge mich auf. Bis dann!” – und weg war sie. Aus der bisherigen Hoffnung, vielleicht doch ein lustiges Erlebnis zu haben, wurde spontan die Gewissheit, einen riesigen Fehler begangen zu haben.

 

Das Foto ist sehr unscharf, aber hätte ich den Blitz benutzt, hätte es zu sehr gespiegelt. Tragisch.

Ab auf den Balkon, das Zeug aus dem Haus geschafft. Es sieht wirklich nicht gut aus. Und dann dieser Gestank! Doch für euch tue ich alles. Und weil ich einfach zu neugierig bin — selber Schuld. Aber wer weiß: Es muss ja nicht alles so schmecken, wie es riecht oder aussieht! Also los.

 

Mein Equipment:

  • Eine Schüssel Wasser (falls es zu trocken ist, wird sowohl beim Jerky als auch beim Hundefutter empfohlen, es anzufeuchten)
  • Ein Glas Milch (Milch neutralisiert den Geschmack. Wasser verteilt ihn nur, aber ein Schluck Milch und man schmeckt nichts mehr von dem, was vorher im Mund war)
  • Ein süßer kleiner Teller mit der Fleischspezialität.
  • Na ja, und ne Gabel.

 

Was nun passierte, kann man schlecht in Fotos zeigen – und auch Worte sind längst nicht so effektiv wie ein Video. Also nun: Das Selbstexperiment im Bewegtbild. Keine großen Kommentare, ein Gastauftritt und ein Versuch, der die Menschheit auf ewig verändern wird. Bittesehr.

 

Damit wäre eigentlich schon alles gesagt. Kein Fazit könnte mehr ausdrücken als mein Gesicht im Video. Ich wiederhole daher nur meine Erkenntnis im Wortlaut:

“Nein! Nein, nein.” –Carsten Schläger, 2012

 

In diesem Sinne —

 

Guten Appetit und viel Spaß noch im Leben!


P.S.: Braucht jemand zufällig 2,5 kg Hundefutter, Trockenfleischwürfel aus Rindfleisch? Ich hätte da zufällig eine Packung. Fehlen auch nur drei Stücke.