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Mai 23

Lichtblick

Posted on Mittwoch, Mai 23, 2012 in Newsletter

Die 5000. Folge GZSZ, und ich hab sie verpasst. Untragbar! So bleibt mir leider nur die Möglichkeit, mir selbst eine Soap-Opera auszudenken. Natürlich ganz bodenständig und realistisch! Eigentlich sollte das ein Freund von mir machen, aber leider saß dieser in seinem unversichertem Haus, als ein Flugzeug mit seinen Eltern an Bord (geflogen von seiner schwangeren Verlobten, es sollten Zwillinge werden) auf ihn abstürzte. Tragisch, aber so spielt das Leben. Nun aber zu der Geschichte.

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Charakterlich war Sören ziemlich normal: Er hatte einen Hamster. Sein bester Freund. Es hatte ihn viel Überwindung gekostet, dieses Haustier zu lieben – zu lieben, wie seinen vorigen besten Freund, sein Meerschweinchen. Immer, wenn er wieder an ihn denken musste (Manni Meerschwein), kamen nicht nur die Erinnerungen an dessen tragisches Ende zurück – nein, auch Kaninchen Konrad kam ihm dann immer wieder in den Sinn. Doch daran wollte er gar nicht denken! Das war Vergangenheit. Heute zähle nur noch Hamster Hasso. Hasso war eben – sein bester Freund. Bis zu diesem einen, tragischen Tag.

Hastig schlug Marianne die Tür auf. “Sören! Sören! Mein Baby… ist schwanger!” – “NEEEEEIIIIIINNNN!!!!!”, schrie Sören als er das Unglück begriff: Marianne war auf Hasso getreten. Seufzend machte er sich auf den Weg zum Haustiergeschäft, um sich einen neuen besten Freund zu kaufen. Das vierte Mal diese Woche.

Rosig sah es nicht gerade aus. Auf dem Weg in die Stadt kam Sören ein alter Bekannter entgegen: Hackbert. Hackbert war gerade auf dem Weg zu einem Anti-Aggressions-Training, weil ihn seine Schwester mit ihrem Onkel betrogen hatte. Aber man kennt das ja – Männer, die durch Geschlechts-OPs entstanden sind, sehen immer viel besser aus. Das konnte er seiner Schwester nicht übel nehmen. Heute jedenfalls trafen sich Hackbert und Sören mitten auf der Straße, sahen sich schon von weitem – doch waren sie beide so sehr in Gedanken versunken, dass sie einfach aneinander vorbei gingen. Glück gehabt!

In dem Haustiergeschäft sah sich Sören lange um, bis er sich schließlich für eine große Würgeschlange entschied. Klein-Karlo, der Nachbarsjunge, würde sich bestimmt tierisch darüber freuen! Mit seinen fünf Jahren war er gerade mitten im Urwald-Fieber und hatte sich sehnlichst ein echtes Dschungeltier gewünscht. Fröhlich summend packte Sören die Schlange in seinen Rucksack und ging nach Hause.

Sabine konnte derweil ihr Glück nicht fassen: Hackbert wurde beim Anti-Aggressions-Training von einem jüdischen schwarzen behinderten Schwulen, der sich diskriminiert gefühlt hat, zusammengeschlagen – und jetzt würde sie endlich seinen Toaster erben! Denn ihr alter Toaster ist seit vielen Tagen nicht mehr bei ihr: Ulrich hat ihn mitgenommen, als er mit Sabine Schluss gemacht hat, weil sie die Kochkünste seiner Mutter – die Krebs hat! – auf der Beerdigung seines Vaters beleidigt hat. So machte sie sich gleich auf den Weg zu Hackberts Wohnung, schob ein Toastbrot in der Gerät und genoss es voller Glückseligkeit. Das Zubereiten dieser Mahlzeit erfüllte sie so sehr mit Freude, dass sie sofort noch mehr Sandwiches zubereiten musste. „Der kleine Karlo“, dachte sie sich, „der mag doch so gerne Toast!“. Also machte sie sich auf den Weg zu ihm – ohne zu ahnen, dass Klein-Karlo gerade auf der ganz anderen Seite der Nahrungskette stand.

Toastbrot. Das war alles, was Sabine noch sagen könnte, nachdem sie das Unglück mit Klein-Karlo ansehen musste. Toastbrot. Die Polizei versuchte krampfhaft, sie zu den Umständen zu befragen – doch alles, was sie heraus bekam, war „Toastbrot„. Sören hatte sich längst verkrümelt – nicht aus Angst oder Schuldgefühl, sondern aus Trauer: Sein bester Freund, Würgeschlange Walter, hatte sich an dem kleinen Karlo verschluckt und war daran gestorben. Während Sabine weiterhin nur Toastbrot murmelte, kam der Arzt aus dem Krankenwagen und sprach optimistisch: „Der kleine hatte Glück – er wurde von seinem Onkel vergewaltigt und wäre sowieso an Aids gestorben.“

In der Tierhandlung wollte sich Sören nun ein weiteres Tier kaufen – doch direkt vor dem Eingang stand ein übel riechender Obdachloser. Sören versuchte, an dem Kerl vorbeizukommen – doch erfolglos; der Mann stellte sich direkt vor ihn, baute sich groß auf und sprach, eine Tränen in den Augen: „Sören! Ich bin dein Vater!“ Peinliche Stille herrschte für wenige Sekunden, als der Mann fortfuhr: „Ich komme gerade vom RTL-Studio, wir haben da in einer Talkshow einen DNA-Test gemacht, um zu beweisen, dass ich keine jüdischen Vorfahren habe. Kurz bevor wir fertig waren, kam ein Kerl ins Studio geplatzt und hielt ein Fax in den Händen, in dem stand, dass du der uneheliche Sohn von mir und einer polnischen Einbrecherin bist! Wir haben dann dein Foto gezeigt und jetzt weiß jeder unser kleines Geheimnis. Ich möchte jetzt keine Familienzusammenführung oder so einen Blödsinn, ich wollte es dir nur ausrichten und dir dieses „EPIC FAIL“-T-Shirt schenken. Wenn du mich jemals wiedersehen solltest, sprich mich bitte nicht an. Tschö.“

Na, das war ja ganz toll. Als Sören vorhin, als Walter (Schlange) gestorben war, gen Himmel sah und „Schlimmer kann es echt nicht mehr werden!“ schrie, hatte er das eigentlich nicht als Aufforderung gesehen. Jetzt war das Maß endgültig voll! Er würde nun die letzte Lösung wählen. Oft schon hatte er daran gedacht, doch heute würde er es endlich tun: Er würde mit der Geschichte zu RTL gehen! Und so geschah es. Er verkaufte seine Erlebnisse, wurde in den verschiedensten Politikmagazinen interviewt, moderierte achtunddreißig Realityshows und wurde reich und berühmt. Er hatte alles erreicht, wovon er jemals geträumt hatte – als er plötzlich…

Aaaaaaaahhhhhh!!!!!! Diese Schmerzen! Sören wusste nicht, wie ihm geschah. Er öffnete die Augen und fand sich in einem Krankenbett wieder. Er lag im OP, ein Arzt sah ihn an: „Entschuldigen Sie, Herr Soja, es gab Komplikationen bei Ihrer Grippeimpfung. Wir mussten leider sofort operieren und Sie lagen drei Tage im Koma. Sie sind jetzt zwar wieder wach, aber leider haben wir Ihr Herz versehentlich mit einer heißen Kartoffel vertauscht und Sie—

/Abspann.