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Dez 16

Kurze Randnotiz

Posted on Freitag, Dezember 16, 2011 in Newsletter

Im Gegensatz zu den letzten Texten, die für gewöhnlich Vorurteile stark überspitzt darstellten, ist dieser Text einfach nur ernst gemeint. Echt jetzt. Das ist keine Satire, kein Sarkasmus, keine Ironie – sondern nur ein Gedächtnisprotokoll von gerade eben.

 

Blutige Videospiele verursachen keine Gewaltbereitschaft – ganz im Gegensatz zu Situationen wie etwa der, die ich vor wenigen Stunden erleben musste. Man sitzt im Restaurant, will sich einen gemütlichen Abend machen – da geschieht es: Zwei Menschen setzen sich an den Tisch neben dir. Zwei ‚Damen‘, so etwa 20 Jahre alt. Schlimmer als ihre Anwesenheit: Ihr Aussehen. Alles hängt irgendwo glitzernd rum, die Arme sind mit allem umwickelt, was geht, und unter der Schminke soll Gerüchten zufolge ein Gesicht sein. Aber – noch schlimmer als Anwesenheit und Aussehen zusammen: Sie reden. Sie reden auf eine Art, dass man nach nur wenigen Minuten einen Ballen Stroh mit aller Gewalt in ihre Fressen drücken möchte, nur um Nachzuladen!!!

Es kommt vielleicht öfters mal zwischen den Zeilen durch, dass ich mich gerne über minder bemittelte Menschen lustig mache. Deshalb will ich etwas klarstellen: Ich habe nichts gegen ‚handwerklich begabte‘ Menschen. Ist ok, nicht jeder ist Einstein – und ich helfe solchen Leuten sogar gerne mal. Tatsächlich. Was mir jedoch übel auf den Senkel geht, sind Menschen wie diese beiden Weibsbilder vorhin: Es werden keine Kosten und Mühen gescheut, um sicherzugehen, dass jeder – wirklich jeder – der sich auch nur in der Nähe befindet, erfährt, wie unterirdisch dumm und oberflächlich und dumm man ist! Und selbstverständlich geschieht das mit einer schräg quietschenden Stimme, die bereits nach dem ersten Wort die Ohren zum Bluten bringt, und natürlich auch mit einem dummen ‚Lacher‘ nach jedem Satz. Nicht zu vergessen die typischen abfälligen Bemerkungen, warum denn bloß nicht jeder so dumm – ich meine: so toll – sein kann, wie sie.

GRWAAAAHHHHHHHHHH!!!!!!!

Aber mal ganz ruhig: Was haben die beiden Damen denn so ausdiskutiert? Zu Beginn natürlich über zig eben gekaufte Sachen geschwärmt. Aber nicht etwa um Sinn und Zweck, nein: Ein ständiges Hin und Her zwischen a) Geläster, wer denn so was ähnliches hat, bei dem das aber natürlich viel schlechter aussieht („ähähähähäh“, bitte mit kreischender Stimme vorstellen), b) dem typischen vors Gesicht halten „und wie unglaublich super toll sehe ich aus?“ – „Ja du siehst damit ganz unglaublich super toll aus!“ („tihihihihihihiiiii“, dito), c) Vergleichen, was man alles tun würde – „Ey dafür, ey ich hätt das der so voll aus der Hand gerissen, ey ich so: Woah ey nimm jetzt bloß nicht MEIN [beliebiger Gegenstand], ey isch würd dafür tötn ey“ usw.  –aber das ist ja alles noch ganz normal.

Dann: Fremde Handtasche durchwühlen und jedes Schmink-Dings einmal übers Gesicht ziehen, um dann jedes Mal einen Kommentar à la „woah ey wohastu den denn her? Ey brauchisch auch eyyyy!“. Dann beschreibt sie ihren Freund: „Ey der is voll süß eh, der schenkt mir so lauter Zeug, erst so n Kasten mit Nagelpflege, woah weil ich mich ja so dafür interessieren tu, ne, und dann noch sone Box mit so Haarzeug, weil ich mir ja voll viel aus Haare stylen mache, und einma dann so voll design ey son Set für Brauen und so (keinen Plan, was sie damit meinte – ein Augenbrauen-Set?! Ich denke mir das nicht aus, ich zitiere!), da bin ich ja auch voll so interessiert für“ — und so geht das zehn Minuten lang! Ja, Fräulein, wir wissen es: Du hast kein anderes Hobby und keine anderen Fähigkeiten, als den ganzen Tag deinen Körper zu misshandeln und dich dabei in Selbstverliebtheit zu wälzen! Schön, danke, setzen!

Was ist das eigentlich für ein Leben? Höhere Bildung kann diese Frau niemals genossen haben. Reiche Eltern? Noch nie im Leben was gearbeitet, immer nur mit Shoppen und Schminken beschäftigt? Jemals irgendwas Produktives gemacht? Während mir diese Gedanken durch den Kopf schwirren und die Akustik zu verdrängen versuchen, schon der nächste Schlag ins Niveau: iPhone raus, Facebook auf – „ich zeig dir jetz man paar Jungs, sach ma was de von den denkst“. Dann ungelogene 15 Minuten lang dermaßen inhaltsleeres Diskutieren über diese Kerle, dass mir der Magen rebelliert. Bis dahin dachte ich nur, dass dieses Mädel (eine hat geredet, die andere hatte dazu keine Chance) extrem oberflächlich ist. Aber was dann aus ihrem Mund geschissen kam, war einfach nicht mehr in Worte zu fassen. Kommentare, die einfach so unterirdisch dämlich waren, dass es mir echt zuwider ist, sie aufzuschreiben. Ein Highlight möchte ich aber noch erwähnen: Sie zeigt ein Foto von sich und ihrem Freund – dachte ich. Also ein extrem billig aussehender Macho-Angeber, schwarze Gel-Haare, dümmlich-cooler Blick, halbstark – eben genau so wie der typische Klischee-Vollhonk aus typischen Picdumps. Nebendran ein Mädel, von dem ich auf den Meter Entfernung dachte, es sei die neben mir -Gesichtsausdruck auf dem Niveau von fünf Metern Feldweg, alles potthässlich aufgebretzelt, ein Grinsen zum Reinschlagen, alles irgendwie aufgestylt dass man kotzen möchte. Sah eben genauso aus wie die redegewandte Dame am Nachbartisch. Und da kam nun die einzige Stelle des Gespräches, in der eine kurze Belustigung meine Gewaltphantasien durchbrach: „Der ist doch voll sexy der Kerl – aber der hat soooo eine scheiß Freundin! Kuck doch ma, wie schlampig die aussieht! Ey an der is doch nichts mehr echt, ey! Voll die biiatch, ey! Ey so würd ich [hier musste ich grinsen!] niemals rumlaufen, das is doch voll peinlisch, ey!“

LOOOOOOOOOOOOOOOOOL!

Liebes Mädchen neben mir: Ich wollte dich fotografieren, leider saßt du in einem Winkel, der mir das sehr schwer gemacht hat. Vielleicht erkennst du dich wieder: Du hast mit einem Typen telefoniert und extra laut gesprochen, damit er und noch mehr Leute im Restaurant mitbekommen, wie dumm du bist. Du hast drei Mal kläglich beim Versuch versagt, einen Witz zu machen, bis du deinen Kerl dann beleidigt hast, weil er nicht gelacht hat. Du hattest eine riesige goldene Uhr, warst aber zu dumm, sie zu lesen, und hast nach dem Blick auf die Uhr das Gesicht verzogen und dein iPhone rausgeholt, um dann – erst dann! – zu sagen: „Halb sechs“. Ich möchte dir gratulieren – ich sehe oft des Denkens nicht mächtige Menschen, und ich mache mich oft über sie lustig – aber du hast es geschafft, so unendlich unglaublich unbeschreiblich dumm zu sein, so dämlich wie Stroh, so leer wie ein Heißluftballon und so dumm wie Scheiße, dass ich über dich – nicht über ‚Frauen wie dich‚, nein: Über dich persönlich einen ganzen Eintrag schreibe. Herzlichen Glückwunsch!

 

So, das war mir jetzt echt mal ein Bedürfnis. Nicht so witzig diesmal, und das zählt auch nicht als Letter – aber das musste einfach mal raus.