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Nov 21

Sauerkrautbraten.

Posted on Montag, November 21, 2011 in Newsletter

„Ich finde, du solltest ein Wenig darauf achten, was du schreibst. Mit solchen Texten verbaust du dir deine eigene Zukunft.“ — ein Leser, per Facebook

„Ich finde es eine Frechheit, wie Sie die ohnehin bereits uferlosen Vorurteile nicht kritisch behandeln, sondern sogar noch unterstützen!“ –ein weiterer Leser via Mail

„NEIN! NEIN! NEIN! NEIN!“ –Adolf Hitler, Inglourious Basterds

„Lieber Carsten, bitte entferne mich aus dem Verteiler.“ — noch ein Leser per Mail

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Kurz: Das Feedback war überwältigend. Man könnte meinen, ich hätte den Disclaimer zu einem späteren Zeitpunkt eingefügt, um der schieren Masse an Genörgel und künstlicher Aufregung Herr zu werden – aber nein, der leicht sarkastische Hinweis darauf, dass einige Menschen zu dumm seien, um die Ironie zu verstehen – stand von Anfang an über dem Text. Und wurde  empirisch belegt. Dafür vielen Dank, amerikanische Forscher hätten es nicht besser hinbekommen. Einen Kommentar möchte ich aber noch gesondert behandeln:

„Carsten. Du findest das vielleicht witzig, aber das ändert nichts daran, dass auch du eine moralische verantwortung hast. Bitte ändere deinen Text und entschuldige dich dafür.“ –Katharina Saalfrank (Name geändert)

Na gut. Ändern kann ich den Text leider nicht mehr – also ja, ich könnte, aber das wäre ja nach all dem Feedback unfair: Vielleicht will mich jetzt der Zentralrat der Terrorplanungsbehörde vor irgendein Gericht zerren – und mit dem Ändern des Textes würde ich ja effektiv Beweise vernichten, das kann ich also nicht tun. Was ich jedoch tun kann, ist eine Entschuldigung schreiben. Wenn es denn sein muss – die viele Kritik hat mich da einsichtig gemacht.

RICHTIGSTELLUNG

Die Verallgemeinerung und Überzeichnung des Beitrags zur Gamescom Terrorplanungsbehörde in dem Text „Ganz logisch.“ vom Montag, 07.11.2011, war ein Fehler. Wenn ich Gefühle verletzt haben sollte, entschuldige ich mich ausdrücklich dafür. Die viele Kritik hat mir gezeigt, dass ich die Wirkung meines Beitrags zur Gamescom Terrorplanungsbehörde ganz falsch eingeschätzt habe. Der sollte lustig werden. Das ist mir gründlich misslungen. Ich wollte niemanden beleidigen oder verletzen. Dass das jetzt dennoch geschehen ist, tut mir sehr leid.

Ich schrieb, die Terrorplanungsbehörde bestünde unter anderem aus „einigen hohen amerikanischen Politikern, Elvis, diversen Terrorazubis, einem WordPress-Löschbeauftragtem und der Putzfrau“. Das war falsch und dafür entschuldige ich mich. Politisch korrekt muss es heißen: “einigen hohen Politikern und Politikerinnen, Elvis, diversen Terrorazubis & -azubinen, einem/einer WordPress-Löschbeauftragtem/-n und einer Reinigungsfachkraft“. Ich hoffe, damit sind die Wogen etwas geglättet.

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Kommen wir nun zum eigentlichen Beitrag. Erstaunlicher, praktischer Weise habe ich zurzeit ein Übermaß an Inspiration – so schweben mir bereits drei Ideen im Kopf herum, die darauf warten, auf zynische Art und Weise beschrieben zu werden. Ich werde daher die nächsten paar Texte wohl eher kurz, dafür zeitnah schreiben. Heute geht es – so viel Aktualität muss sein – um die NPD. Oder das, was wir NPD nennen. Denn die – so kommt es ja nun nach und nach ans Licht – gibt es gar nicht.

Vom ganzen Vorlauf haben wir ja alle schon exorbitant viel gehört: Döner-Morde, das waren dann aber doch Nazis, alles ist schlimm, Hitler lebt vielleicht noch. Im Gegensatz zu allen anderen Morden, mit denen die Regierung nichts zu tun hat, soll sie sich für diese Morde, mit denen sie auch nichts zu tun hat, entschuldigen. Dann wieder große Diskussion über das klassische NPD-Verbot und warum es wohl auch diesmal nicht funktionieren wird.

Um das ein mal klar zu stellen: Ich verachte die NPD – ich bin sogar sehr tolerant und bewerte viele Ausländer höher als viele Deutsche. Ich habe nichts gegen ein Verbot der NPD – aber jetzt gerade stößt mir doch schon ein Punkt sauer auf: Jemand macht etwas Böses, deswegen soll sofort etwas verboten werden, das irgendwie im Kontakt zu ihm steht? Hat das nicht verdächtig was von der Killerspiele-Diskussion? Also von mir aus soll der braune Haufen ruhig verboten werden, aber um fair zu bleiben – selbst denen gegenüber – sollte man diesen Punkt doch mal erwähnen.

Wo liegt aber nun das Problem? Vor einiger Zeit ging ein Verbotsgesuch mal schief, weil irgendwelche V-Männer (Spione, wie James Bond) in die Partei eingetreten sind und rumspioniert haben. Soweit ich das verstanden habe, ist es in Nazi-Deutschland nämlich so: Beweise zählen nur, wenn sie auf legalem Weg erbracht wurden. Wenn ich also etwas illegales tue – Spionieren – um Beweise zu finden, dann kann ich sie ruhig finden – vor Gericht nützen sie aber nichts. Um einem ähnlichen Fehler diesmal vorzubeugen, wurden scheinbar die verdeckten Ermittler offengelegt. Und hier beginnt das Problem: Es sind viele. Verdammt viele. Was sich nun auftut, hätte und hat niemand erwartet: Die NPD ist quasi non-existent! Ich habe das mal übersichtlich zusammengefasst:

  • 20. April 2002: Aus Angst vor deutschen Terroristen gründet Wolfgang Scheuble [Name geändert] die SS-Nazi-Einheit (StaatsSpione nur als zusätzliche Informationsquelle)
  • 30. April 2002: Um 5 Uhr 45 betritt der erste Spion (Gunther Herrmann) die NPD-Zentrale und stellt sich als neues Mitglied vor. Sein Auftritt mit Hitlergruß und Hakenkreuzflagge wird kritisch beäugt, dennoch erhält er Zutritt.
  • Mai -November 2002: Nach und nach trudeln immer mehr StaatsSpione in die Partei, bis Ende 2002 sind es bereits weit über 500 Stück.
  • 9. November 2005: Um verfassungsfeindliches Gedankengut aufzuspüren, organisieren die StaatsSpione eine „Gedenknacht zum Reichspogrom“. Einige Mitlieder verlassen kopfschüttelnd die Parteizentralen.
  • 18. Februar 2007: Die StaatsSpione sind inzwischen weit über die vierstellige Grenze gewachsen.
  • 31. August 2007: Die NPD geht – unter Leitung der StaatsSpione – eine Kooperation mit dem Süßwarenhersteller HITSCHLER ein. Einige der ursprünglichen Mitglieder stellen sich dagegen, sind den StaatsSpionen jedoch inzwischen zahlenmäßig unterlegen.
HITSCHLER. Lecker, gut und deutsch.

HITSCHLER. Lecker, gut und deutsch.

  • 23. Juni 2008: Die StaatsSpione knacken die 75%-Grenze der Mitgliederzahl.
  • 5. April 2009: Die übertrieben intolerante Einstellung, die durch die StaatsSpione immer mehr in den Vordergrund gerückt wird, verschreckt mehr und mehr Mitglieder.
  • 11. September 2009: Die StaatsSpione wählen „SauerKrautBraten“ zum neuen Parteilied. Entnervt verlassen nun auch noch die letzten echten Mitglieder die NPD.

 

Und hier sind wir nun. 2011 geht mal wieder eine Diskussion um ein Verbot der NPD durch den Bundestag. Die V-Männer werden offengelegt – dann der Schock. Durch ihr hartes und verfassungsfeindliches Verhalten haben sich die soften Weicheier der ursprünglichen NPD längst aus dem Staub gemacht. Die Partei besteht nur noch aus knallharten Spionen, die nach und nach die Macht übernommen haben – und diese nicht mehr so einfach loslassen wollen! Bisher war es ein einfacher Kampf, ständige Verbotsdrohungen und dann wieder etwas Frieden — doch jetzt sitzen die wirklich Harten im Vorstand. Jetzt wird der Kampf ernst. Und die – die werden sich sicherlich nicht mehr einfach so unterkriegen lassen. Jetzt ist Krieg.