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Mrz 21

Südbayern

Posted on Montag, März 21, 2011 in Newsletter

Fauler Sack. Vor einer Woche kam ich zurück, immernoch kein einziges Wort geschrieben. Dabei bietet es sich doch so wunderbar an! Ich bin umgezogen (und – schwupps – wieder zurück), ich war in Südstbayern (Österreich) und Japan sieht einer strahlenden Zukunft entgegen. Darüber könnte ich drei Texte schreiben! Aber das schiebe ich dann auch wieder nur auf, also heute mal etwas mehr. Fast schon episch.

Alex: „1-2 bilder würden den text auch noch etwas auflockern…“ – bittesehr.
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I – Alles Neu
(Der Tragödie ernster  Teil)

—GoogleBlogger ist scheiße. Ehrlich! Wenngleich ich mit Blogger bares Geld verdiene, ist es doch dermaßen umständlich und blöd zu bedienen, dass ich lieber auf Geld verzichte als mit Blogger zu schreiben. Jaja. Daher ist dieser Absatz nutzlos, weil ich wieder zurückgekommen bin. Drecksblogger.

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II – Das Land der fehlenden Zensur (?)
„There are no crocodiles in Austria“ steht auf einem T-Shirt an einer Touri-Bude, ich grinse, während ich mir das in Deutschland nicht frei erhältliche Klappmesser kaufe. Auf dem Weg zum Eurocenter gönne ich mir in einem Gamestop das hierzulande eingezogene Silent Hill Homecoming und lächle, als ich im Saturn die deutsche Langfssung von Scarface finde, inklusive der 22 Sekunden-Duschszene… Kenner wissen, was ich meine. (Anmerkung für solche, die mich von früher kennen: Ja, ich habe Scarface alias „El precio del poder“ bereits damals in Barcelona gekauft – aber Al Pacino nuschelt dermaßen, dass bei diesem Film selbst ich nicht auf die deutsche Fassung verzichten wollte.) Ach ja, und dass ich für einen guten Freund Left 4 Dead 2 mitgebracht habe (was es in dieser Fassung inzwischen in Deutschland auch nicht mehr legal zu kaufen gibt), ist natürlich Ehrensache. Also, grob gesagt: Österreich ist wie Deutschland, nur ohne CSU und ohne Killerspieldebatte. Anfangs hatte ich total Panik: Unsere Politiker wollen uns ja nur schützen, sie zensieren ja nur so ziemlich jedes Ballerspiel, weil wir sonst alle der Gewalt verfallen, Mitschüler zusammenschlagen und Amokläufer werden – aber unsere heiligen Jugendschützer wirken ja nur in Deutschland, also was heißt das für meinen Urlaub? Dass da nur gewaltbereite Amokläufer-to-be Jugendliche rumlaufen! Ich hatte richtig Schiss… Aber irgendwie waren die alle ganz nett und gechillt, viel mehr als bei uns sogar. Ob das wohl damit zusammenhängt? ^o^
Nun aber auch etwas für solche, die meine Beigeisterung für Multimediale Unterhaltung nicht teilen: Ich habe es eben bereits angesprochen – Österreich ist gechillt. Und zwar so was von! Während man in Deutschland die wunderbare Möglichkeit hat, sich über alles aufzuregen, was man irgendwie umschreiben kann, ist das Österreicher Nationaltier der Irrelefant (s.o.). Ich möchte euch zwei Szenen vorstellen, die alleine schon ausreichen, um den Unterschied D/AT zu erklären:
  1. Kurz und knapp: Ich stand vor einer Saturnfiliale, 8.42. Dazu eine kleine Anmerkung: Österreich lebt früher: Da macht alles zwar um 8 oder 9 Uhr auf, dafür aber schon um spätestens 19 Uhr zu! Also nix mit „bis 22°° Uhr einkaufen“, um sieben ist da Sense. Na ja, also ich stand 18 Minuten vor Ladenöffnung am Rolltor, das gerade aufgeschoben wurde. In Deutschland hätte man mich mit rot lodernden Augen angesehen; Augen, die sagen: „Wenn Sie mich jetzt ansprechen, verklage ich Sie! Sterben Sie, sterben Sie einen schmerzvollen, grausamen Tod, Sie und alle, dies Sie kennen und lieben!“. Und im Eurocenter im Ösiland? „Öhm, ich weiß ja, es ist etwas früh, aber könnte ich vielleicht…“ – „Dös passt scho. Gehn’se ruisch rein.“ O – M – G ! ! ! Am selben Abend war ich lustigerweise in Deutschland einkaufen (Österreich ist generell etwa 20-30% teurer, aber Salzburg liegt direkt an der Grenze – Wochendendshopping also im Globus in Freilassing, preistechnisch ein riesiger Unterschied!), und was durfte ich in diesem deutschen Supermarkt 30 (!) Minuten vor Ladenschluss hören? Eine Durchsage in hochnäsigem, unfreundlich Ton: „Verehrte Kunden (wer’s glaubt…), bitte begeben Sie sich unverzüglich zu den Ausgängen, wir schließen in drrrrrreissssig Minuten!“ – ich wette, es gibt keinen Österreicher, der das Wort „unverzüglich“ überhaupt schonmal gehört hat! Und ich stehe da und denke: „Wilkommen in Deutschland.“
  2. Eigentlich ist dieses Erlebnis länger, aber durch mein Abdriften im Abschnitt zuvor wird dieser wohl eher kurz und knapp: Der Mönchsbergaufzug. Also da ist ein Aufzug im Berg, damit alte Menschen und faule Fettsäcke (->MOI<-) nicht laufen müssen. Da sind vier (4) Aufzüge und eine Schlange aus null (0) Menschen – man KANN nicht warten. Szene oben am Aufzug – Deutscher Mann mit zwei asiatischen Kindern (?! – sieht man aber irgendwie oft…), kurzer Dialog– Aufzug: „Ping!“ – Vater: „Kinnnnnerssss! Bitte begeben Sie sich unverzügl…“ Quatsch: „Kinnnnnnerssssss!!! Schnell, da Uffzuuch is da!! Zack-Zack!“ — bis hierhin eine ganz normale deutsche Szene. Dann aber sagt eine Frau in starken Österreichisch: „Kaane Bange, da Aufzug kommt doch in zwaa Minuten wieder.“ DAS ist absolut alles, was man über den Unterschied zwischen Österreich und Deutschland wissen muss.

Ach ja, falls einige von euch mit dem Gedanken spielen, auch mal nach Salzburg zu fahren: Haus der Natur = super, Museum Moderne Kunst = unter-Null. Dieses Museum ist der unantastbare Beweis, wie grottenschlecht Kunst sein kann! Man sieht ein ganzes Stockwerk Zeichnungen von Menschen (also als Motiv) – und die sehen einfach nur scheiße aus. Nicht so wie bei vielen anderen Künstlern, dass man noch mit viel Fantasie sagen kann: „entfremdet“, „künstlerisch neu interpretiert“ – nein, die Personen sehen alle sehr realistisch aus, ich könnte (die meisten davon) nicht so gut zeichnen. Also sieht schon recht ordentlich aus, aber trotzdem einfach nur schlecht! Etwas falsch proportioniert, etwas schräg gemalt – aber eben nur so wenig, dass man sieht: Er hat wirklich versucht, realistisch zu malen – und hat übel gefailt. Interessant: Wenn man sich die Bilder ansieht, hört man – wenn man ganz genau hinhört – ein leises, kaum hörbares „fail“ im Wind. Wer also argumentieren will, dass Kunst manchmal wirklich einfach nur grottenschlecht ist – in Salzburg findet er den Beweis.

Noch irgendwas? Ach ja: Essen. Das ist in Österreich wirklich gut! Da es in Blogs jedoch immer um Essen geht und ich das hier keinen Blog nennen möchte, verzichte ich auf ebensolche Beschreibungen.
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III – Strahlemann
„Darüber macht man keine Witze!“ – und *plops*, schon bin ich da. Natürlich muss ich jetzt irgendeinen möglichst schwarzen Witz über Japan reißen, um dann sagen zu können, dass ich keine Tabus habe und so. Daher eine kleine Richtigstellung: Ja, natürlich mache ich über alles Witze – aber abgesehen von „kerngesund“ und „strahlende Zukunft“ ist über Japan nicht so viel zu lachen – nicht aus Pietät, sondern weil seit Tschernobyl alle Atomwitze schon abgenutzt sind. Verdammtes Tschernobyl! Geschieht denen recht. 

Wisst ihr aber, worüber ich schreiben möchte? Über Deutschland! Über eine Sache, die mir tierisch auf den Senkel geht: Umweltschützer. Vorneweg: Ich möchte nicht über Sinn und Unsinn der Atomkraft (-werke) diskutieren, darum geht’s nicht. Aber was mich so nervt, ist folgendes: In der Sekunde, in der die Meldung von der drohenden Kernschmelze bei uns eintraf, springt irgendein Grüner freudestrahlend auf, lacht und singt: „Freunde, es ist was ganz ganz Tolles passiert: Wir haben endlich ein Argument, dass man nicht einfach so abtun kann!“ Und schon wird überall gemeckert: „Da sieht man mal, was passieren kann“, „Das war doch sowieso klar, dass es so kommen musste“, „Wir haben doch von Anfang an gesagt…“ usw. Und was macht unsere Regierung? Weil bald Wahlen anstehen, geben sie nach. WIE DUMM SIND DIE DENN?! Ich möchte mal eben zusammenfassen: In Japan gibt es ein Erdbeben Stärke 9, und zwar (soweit ich weiß) das stärkste jemals gemessene (keine Garantie dafür, aber auf jeden Fall ganz oben auf der Liste). Danach rollt ein Tsunami über das Land, der kilometerweit alles wegreißt. Anschließend noch sehr viele Nachbeben bis zu Stärke 6, schon allein das wäre einen Bericht wert. Und dann geht da – einfach so, von ganz alleine, das Kraftwerk kaputt. Laut den ganzen Umweltschützern zeigt das also, das Atomkraftwerke total riskant sind und gelegentlich kaputt gehen – deshalb muss man schnell in Deutschland alle abschaffen. Merkt jemand, das da irgendwo eine Lücke in der Argumentationskette ist? Wir hatten vor einiger Zeit mal ein Erdbeben Stärke 4, das hat dann schon überall für Alarmbereitschaft gesorgt. Also: Wenn wir mal über Stärke 3 kommen, ist das in Deutschland schon eine Besonderheit. Aber weil in einem Land, in dem starke Erdbeben normal sind, das stärkste je gemessene Auftritt und danach ein Tsunami aufkommt – da Japan schließlich eine Insel mitten im großen weiten Meer ist, fast genauso wie Deutschland – ein Unfall passiert, muss man bei uns so reagieren, als wären wir 10 Kilometer neben Tokio? Stellt euch mal eine Schule in Frankfurt vor, Gespräch im Lehrerzimmer: „Oh, in Tokio ist ein Tiger ausgebrochen – wir dürfen unsere Kinder hier in Frankfurt in der Pause nicht rauslassen, zu gefährlich!“ – 1:1 das gleiche Prinzip! Wer dieses Beispiel bescheuert findet, sollte mal drüber nachdenken.

Und es kommt noch besser: Einer dieser Typen sagt in einem Interview: „Ja, vielleicht sind wir nicht so erdbebengefährdet, aber wenn da zum Beispiel ein Flugzeug reinfliegt, da kann so was ja auch passieren!“ – Tolles Argument, wirklich. Wir sollten ab jetzt auch keine Chemikalien mehr lagern, weil da ja auch ein Flugzeug reinfliegen könnte. Und Krankenhäuser und Schulen sollten auch nur noch unterirdisch gebaut werden, weil da ja ein Flugzeug reinfliegen könnte. Obwohl: Unterirdisch, genau: Was würde dieser Kerl wohl dazu sagen, wenn die Regierung antwortete: „Ist gut, wir verlegen alle Atomkraftwerke einfach unterirdisch!“ – ob er dann wohl zufrieden wäre? Wenn ja, hätte er meinen Respekt. Wenn nicht, wäre bewiesen, dass es nur ein leeres Argument war.

Also für diese Argumentation sollte man die Gegner von Atomkraft mit sofortiger Wirkung aus den Diskussionen ausschließen – es ist peinlich, wie egoistisch und heuchlerisch sie sich dem Unglück in Japan bedienen und für ihre eigenen Kampagnen nutzen. DAS finde ich pietätlos.

Es tut mir Leid, wenn ich jetzt am Ende die fröhliche Stimmung ruiniert habe, aber bedankt euch dafür bei den Atomkraftgegnern. Das kotzt mich aber auch echt dermaßen an! In diesem Sinne also, sorry für den ziemlich ernsten Start – aber denkt mal drüber nach.

–Carsten