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Okt 21

Alltagsmüll

Posted on Donnerstag, Oktober 21, 2010 in Newsletter

„Also wenn Sie nicht in der Lage sind, eine Präsentation zu halten, die interessant für Ihre Kommilitonen ist, dann können Sie sich ja gleich wieder verziehen. Es gibt nichts Lästigeres als langweilige Vorträge.“

Mit diesen Worten begrüßte mich – uns – die erste Dozentin in diesem Semester. Gut, es waren nicht gerade ihre allerersten Worte, aber trotzdem ein toller Anfang. „Vor Allem im Bachelor-Studiengang ist Interesse sehr wichtig, also wenn Sie diesen Kurs nur gewählt haben, um mehr Punkte zu bekommen; oder wenn Sie ihn gar als letzte Wahl notgedrungen besuchen, auch dann können Sie eigentlich gleich wieder gehen.“ Hätten wir doch in der Schule diese Wahl gehabt! Was also für viele abwertend und eher negativ betrachtet wurde, habe ich in vollen Zügen genossen. Apropos „volle Züge“: Diesen Vorteil kann ich in den Ferien noch genießen, bzw. eben gerade nicht. Aber ab nächster Woche quillt dann wieder alles über…. na ja. Wird schon irgendwie.

OH FUCK

Gerade nimmt mein Prof seinen Laptop raus, der Beamer bekommt ein Bild – dann Schock: Was soll diese vergewaltigte Form einer Taskleiste am oberen Rand? Warum sind alle Buttons falsch? Blick nach unten, ein arroganter Apfel rülpst mir ins Gesicht. Toll, ich bin in einem Film gelandet. Da fällt mir übrigens eine Geschichte ein, die ich vielen von euch schon erzählt habe – ein Freund meinte zu mir: „Es klingt wie ein Witz, ist aber ein Fakt.“ Folgendes kam dabei heraus: „Warum benutzt jeder Schauspieler in jedem Film einen Mac, aber warum steht in jedem Büro und an jeden ernst zu nehmenden Arbeitsplatz ein Windows-PC? Weil es im Film gut aussehen muss, aber in der Realität muss es funktionieren.“ Witzig, aber wahr.

Lasst mich wieder ein wenig philosophisch meckern – diesmal über einen Kommentar zu einem Bild, Inhalt Bild: Ein Polizeiwagen mit „ACAB“ aufgesprüht, Inhalt Kommentar: „boah ey toll ein polizeifarzeug mit der abkürung für all cops are bastards drauf, witzig muss ich gleich einseden!!!“. Abgesehen davon, dass man die Dummheit des Schreibers hören kann, wenn man seinen Senf nur liest, habe ich mir überlegt, warum er diesen Kommentar geschrieben hat. Es ist normalerweise so, dass Leute, die etwas anderes fertig machen – um mich selbst zu schützen: Nicht im Sarkastischen, sondern richtig flamend oder beleidigend – nur ihre eigene Unfähigkeit übertönen wollen. Was also schließe ich aus diesem Kommentar? Ich gehe davon aus, dass ich davon ausgehen soll, dass die Bedeutung von ACAB nur den Coolen vorbehalten ist. Der Kommentar des – nennen wir ihn einfach mal – Hoppers soll mir wohl zeigen: Wow, ich wollte gerade googeln, was ACAB heißt, aber diese coole Sau wusste es und hat ihr Wissen mit der Welt geteilt. Klasse. Was aber bedeutet dieser Kommentar wirklich? Ich denke mal, dieser Kerl hat sich das Bild angesehen und nichts gecheckt. Wäre nicht so schlimm, wenn es politisch oder anspruchsvoll gewesen wäre – sowas ist in seinen Augen ja „immer blöd und unlustig“. Nein, es war diesmal etwas Gespraytes, ein Graffiti auf einem Polizeifahrzeug – das riecht nach Gangster. Also versucht H. Opper, die Bedeutung dieser Abkürzung herauszufinden – um dann zu merken, dass das keine hohe Geheimhaltung war, sondern eine gebräuchliche Formel, die es recht häufig gibt. Auch, wenn er sonst nichts checkt: Er weiß, dass Unwissenheit peinlich ist. Und er weiß, dass nichts besser ist, als anderen ihre Unwissenheit vorzuhalten, wenn man es selbst ausnahmsweise mal weiß. Also schnell zurück zu dem Bild und einen Kommentar geschrieben, der aussagt: „Ey maaaan, klar weiß isch, was das heißt!“. Da man das aber so nicht schreiben kann – das rafft sogar der Hopper – muss er noch einen Kontext in den Eintrag einbauen – und was hilft immer? Richtig, Genörgel – wenn ihr das hier lest, ist dieser Fakt ja quasi bewiesen. Also fassen wir zusammen: Mit seinem Kommentar, der aussagt, wie krass dieser Depp doch Bescheid weiß, sagt er uns denkenden Usern: „Ich hatte keine Ahnung, aber anstatt das zu verheimlichen, wollte ich es euch allen Mitteilen.“  Sollte man einen IQ-Test für Ausländer einführen? Mir ziemlich egal, aber auf jeden Fall sollte es einen geben, bevor man seine Meinung öffentlich posten kann. Amen.

Letze kurze Anmerkung zum Thema „Amen“: Als vorgestern die Gideons bei uns an der Uni waren, habe ich natürlich mal wieder eine dieser kleinen Bibeln abgegriffen. Als ich dann auf der Suche nach witzigen Kommentaren die Sprüche Salomons durchstöberte, fand ich folgenden Spruch: „Eine Stadt freut sich, wenn’s den Gerechten wohlgeht, und wenn die Gottlosen umkommen, wird man froh“ (Sprüche11, 10)

So, der Professor redet schon seit 5 Minuten, also beende ich schnell mit einem letzten Gedanken: Es gibt eine Geschichte in der Bibel, die etwa so läuft: Knecht + Meister im Tempel, beide schlafen – im Gegensatz zu katholischen Pfarrern und Chorknaben schlafen diese beiden jedoch nicht nur in getrennten Betten, sondern sogar in verschiedenen Zimmern. Plötzlich hört der Knecht seinen Namen – ich weiß nicht mehr welchen, sagen wir mal „Horst“. Er hört also: „Hoooooorrrrrst!“, rennt sofort zu seinem Meister und sagt: „Yo, was geytn?“ – aber der Meister sagt nur: „Nix, hab nix gesagt.“ Das gleiche passiert noch mal, und noch mal. Beim dritten Mal sagt der Meister dann: „Junge, das wird GOTT DER HERR sein (ich hab die Großschreibung nie kapiert), wenn er noch mal ruft, sag: „Ja, HERR, dein Knecht hört!“. So geschieht es dann auch und Gott quatscht ein wenig mit ihm. Was also ist mein Punkt? Das fehlen von paranormalen Faktoren! Sonst gibts immer einen brennenden Busch, zwei Steintafeln oder ein nasses Tuch, womit Gott beweist, dass er es ist – in dieser Geschichte nicht! Die gesamte Handlung lässt vollständig offen, ob der Meister seinen Knecht nur übel verarscht hat! Also er ruft laut: „Hooooorrrrrst!“ und kichert erst mal los: „Gnihihihi“. Der Knecht kommt, der Meister tut so, als ob er geschlafen hätte, und behauptet, nichts gesagt zu haben. Kaum, dass der Knecht weg ist, ruft der Meister noch mal – dann wischt er sich schnell die Lachtränen aus den Augen und behauptet weiterhin, nichts getan zu haben. Bei dritten Mal schließlich kommt er auf die Idee, seinen naiven Knecht auszunutzen: „Wenn er noch mal ruft, tust du, was er sagt.“ – so geschieht es: „Horst! Hole deinem Meister ein kühles Blondes!“ – „Jawohl, HERR!“ – Fertig. Gut, es war im Original kein Bier, aber die Grundidee stimmt: Es gibt in dem Bibeltext keine Stelle, die meine Theorie widerlegt! Ist schon toll, dass man die Heilige Schrift so schön breit gefächert interpretieren kann……….

So viel dazu, dann also – – –

Viel Spaß noch im Leben!

Anmerkung: Für Leute, die meinen Humor teilen (gibt es sowas?!), kann ich folgende Serie uneingeschränkt empfehlen: Californication. Nichts für Kinder, nichts für prüde Menschen, nichts für Menschen mit gesellschaftlich normalen Toleranzgrenzen. Für den Rest ideal.